Aurora

Jacob Böhme – Aurora 19

Eine Hommage der Installationistin Sigrun Menzel

Hinter dem Eingangstor, links am Hang,
finden Sie das Mosaik.
Zwei Buchen stehen davor wie Türpfosten.
Ihre Kronen vereinen sich
zu einem grünen Bogen.
Gehen Sie durch die Buchen hindurch,
und schauen Sie sich das Mosaik genauer an.

Sie sehen vor sich ein Mosaik aus mehr als 600 Türklinken,
gelegt zu einem Kreis.
Der Kreis ist ohne Mittelpunkt,
wie ausgestanzt aus etwas Größerem.
Die Klinken bilden Horizontale und Vertikale,
und versinnbildlichen das Weltprinzip,
die irdische und himmlische Linie.
In dem Metall der Türklinken spiegelt sich
das Licht der Sonne in ihrem Lauf durch den Tag.
Die Morgensonne – die Aurora - reißt den Acker
aus der Verschattung der Nacht.
Mittags beginnt das Licht zu flimmern, gleißend.
Ein ruhiger Glanz beschließt den Tag.

Eine Hommage aus Türklinken an Jacob Böhme und Aurora 19 –
Wie passt das zusammen?
Wenn ich etwas begreife,
wie ich Türklinken begreife, gehen Türen auf
und ein neuer Raum öffnet sich!
Jacob Böhme hat begriffen,
ihm ist ein Licht aufgegangen,
so wie morgens die Sonne
die Erde erleuchtet.
Er hat verstanden,
was niemand erklären kann.
Er schreibt davon in Aurora 19:
„Weil ich aber fand,
dass in allen Dingen Böses und Gutes war,...
ward ich ganz melancholisch und sehr betrübt,
und keine Schrift...konnte mich trösten.
...Als sich aber in solcher Trübsal mein Geist erhob,...
ohne nachzulassen mit der Liebe und
Barmherzigkeit Gottes zu ringen, er segne mich denn...,
so ist alsbald ... mein Geist durch die Höllenpforten
bis in die innerste Geburt der Gottheit durchgebrochen
und allda mit Liebe umfangen worden
wie ein Bräutigam seine liebe Braut umfänget.
Was aber für ein Triumphieren
in dem Geist gewesen ist, kann ich nicht schreiben, noch reden,
es lässt sich auch mit nichts vergleichen,
als nur mit dem, wo mitten im Tode das Leben geboren wird.
In diesem Licht hat mein Geist
Alsbald durch alles gesehen
Und an allen Kreaturen,
an Kraut und Gras Gott erkannt,
wer ER
wie ER
und was SEIN WILLE sei.“

Nach dieser Erleuchtung bleibt der Schuster Jacob Böhme
nicht mehr bei seinen Leisten.
Er „putzt“ im wahren Sinn des Wortes Türklinken als Hausierer.
Er hofft von sich selbst, kein „unnützer Riegel“ (Aurora 22,19) zu sein.
Der Schlüssel zu allem ist die Liebe
und ist auf seinem Epitaph in der Mitte mit dem Herz dokumentiert.-

Die Installation auf einem Stück Erde voller „Kraut und Gras“
lädt Sie ein die Erfahrung Jacob Böhme`s auf
sich wirken zu lassen, das etwas aufgehe
wie der ausgesäte bunte Blumensamen im runden Türklinkenmosaik.

Installation und Text: Sigrun Menzel
www.sigrun-menzel.de